Pareto-Prinzip und Pareto-Diagramm
Veröffentlicht am 26. Februar 2026
So finden Sie die „wenigen wichtigen“ Ursachen für 80% der Wirkung
In diesem Artikel erfahren Sie:
- was hinter dem Pareto-Prinzip steckt (und was nicht)
- woher die 80/20-Idee historisch kommt
- warum die Paretoanalyse im DMAIC-Zyklus besonders in der Define-Phase so wertvoll ist
- wie Sie ein Pareto-Diagramm Schritt für Schritt erstellen und korrekt lesen
- typische Anwendungsfälle, Fehler und eine kompakte Checkliste für die Praxis
Was ist das Pareto-Prinzip – und was ist es nicht?
Woher kommt das Pareto-Prinzip ursprünglich?
Warum ist die Pareto-Idee in Projekten so entscheidend?
Wo setzt man die Paretoanalyse im DMAIC-Zyklus ein?
- Define (Problem & Ziel sauber definieren)
- Measure (Daten erheben)
- Analyze (Ursachen analysieren)
- Improve (Verbessern)
- Control (Stabilisieren)
Was ist ein Pareto-Diagramm?
Wie erstellt man ein Pareto-Diagramm Schritt für Schritt?
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Daten sammeln: Definieren Sie klar, was gezählt wird (z. B. „Fehler pro Woche“ oder „Kundenbeschwerden pro Monat“).
- Kategorien bilden: Beispiel: „Kratzer“, „Maßabweichung“, „Fehlbohrung“, „Lackfehler“, „Sonstiges“.
- Häufigkeiten zählen: Jede Kategorie erhält eine Anzahl.
- Absteigend sortieren: Häufigste Kategorie ganz links.
- Prozentanteile berechnen: Anteil je Kategorie = Anzahl / Gesamt.
- Kumulierte Prozentlinie ergänzen: Kumuliert = Summe der Anteile von links nach rechts. (Diese Linie wird oft als kumulierte Kurve dargestellt.)
Beispiel: Pareto-Diagramm-Daten in Tabellenform

Interpretation:Bis einschließlich „Fehlbohrung“ sind 80 % der Fälle erklärt. Das sind hier 3 von 5 Kategorien – also die „wenigen wichtigen“, auf die sich das Team zuerst konzentriert. Sie lesen es, indem Sie die kumulierte Kurve bis ca. 80 % verfolgen und dann prüfen, welche Balken links davon liegen. Diese Balken sind Ihre prioritären Ansatzpunkte – dort sitzt meist der größte Hebel. Praktisch heißt das:
Wie liest man ein Pareto-Diagramm richtig?
- Links stehen die größten Verursacher.
- Die kumulierte Linie zeigt, wann Sie z. B. 80 % erreicht haben.
- Alles links von diesem Punkt sind die ersten Maßnahmenkandidaten.

Wo funktioniert das Pareto-Prinzip besonders gut?
Praxisnahe Einsatzfelder (branchenübergreifend):
- Produktion & Qualität: häufigste Fehlerarten, Nacharbeitsgründe, Ausschussursachen
- Service & Callcenter: Top-Beschwerdegründe, Rückrufursachen, lange Bearbeitungszeiten
- IT & Betrieb: häufigste Incident-Typen, Hauptursachen für Ausfälle, wiederkehrende Tickets
- Einkauf & Beschaffung: ABC-Logik (ähnlicher Gedanke) zur Priorisierung von Lieferanten/Materialgruppen
- Verwaltung & Prozesse: häufigste Rückfragen, Medienbrüche, Antragsablehnungsgründe
- Gesundheitswesen: häufigste Verzögerungsursachen, häufigste Dokumentationsfehler (immer kontext- und risikobewusst)
Welche typischen Fehler sollten Sie bei der Paretoanalyse vermeiden?
Häufige Stolperfallen aus der Praxis
- Unklare Kategorien: Wenn „Sonstiges“ riesig ist, ist die Kategorisierung zu grob.
- Mischen von Ursachen und Symptomen: „Zu spät“ ist oft ein Symptom; „fehlende Kapazitätsplanung“ eher eine Ursache.
- Falscher Zählmaßstab: Häufigkeit zählt, aber manchmal ist Schaden/Kosten/Risiko wichtiger als reine Anzahl.
- Zu frühes Interpretieren: Erst sauber zählen, dann deuten – nicht umgekehrt.
- Einmalige Momentaufnahme: Bei stark schwankenden Prozessen brauchen Sie genügend Daten über Zeit.
80
% Verbesserung reicht
–
oder muss es 100
% sein?
- Interne Prozessprobleme: 80 % Reduktion kann wirtschaftlich sehr sinnvoll sein, wenn die letzten 20 % unverhältnismäßig teuer wären.
- Kunden- oder sicherheitsrelevante Qualität: 20 % Restfehler können inakzeptabel sein (Kosten, Sicherheit, Vertrauen). Hier ist Pareto trotzdem nützlich, um schnell die größten Brocken zu entfernen – danach folgt Feinarbeit.
Checkliste: Paretoanalyse in der Praxis sauber umsetzen
- Problem & Zeitraum klar definiert (Was zählt? Wann?)
- Kategorien logisch, trennscharf und vollständig
- „Sonstiges“ bewusst klein gehalten oder nachkategorisiert
- Datenquelle verlässlich (gleiche Zählregeln für alle)
- Absteigende Sortierung korrekt
- Prozentanteile korrekt berechnet
- Kumulierte Prozente korrekt berechnet
- Interpretation dokumentiert (Warum sind das die Hauptursachen?)
- Maßnahmen auf die Top-Kategorien fokussiert (nicht auf „Lieblingsideen“)
- Nach Umsetzung erneut messen (vorher/nachher – Wirkung belegen)
Do’s & Don’ts für Projektteams
- nach Häufigkeit oder Schaden priorisieren (je nach Ziel)
- Kategorien mit Prozessverantwortlichen abstimmen
- Ergebnisse in der Define-Phase nutzen, um Scope sauber zu schneiden
- Pareto ohne saubere Datengrundlage „schätzen“
- Ursachenanalyse überspringen („Top-Kategorie = Ursache“ ist nicht automatisch richtig)
- nur einmal messen und dann dauerhaft als Wahrheit behandeln
Fazit: Warum Pareto ein „Must-have“-Werkzeug bleibt
FAQ zum Pareto-Prinzip und Pareto-Diagramm
Ist die 80/20-Regel immer exakt 80/20?
Was mache ich, wenn mein Pareto-Diagramm keine klare „Top-20 %“-Gruppe zeigt?
Pareto-Diagramm: Häufigkeit oder Kosten – was ist besser?
Was ist der Unterschied zwischen Paretoanalyse und ABC-Analyse?
Wie viele Kategorien sind sinnvoll?
Wo liegt der häufigste Denkfehler bei Pareto?
Wann sollte man Pareto nicht verwenden?
Autorin & Expertise
Cindy Heinzemann
Training, Coaching, KursentwicklungDank ihrer langjährigen und umfassenden Erfahrung in der Leitung von LEAN- und SIX SIGMA-Projekten sowie im Coaching begleitet Cindy Heinzemann unsere Teilnehmenden zielgerichtet durch die Kurse. Mit ihrem fundierten Fachwissen und ihrer positiven Art versteht sie es, theoretische Inhalte mit praxisnahen Erfahrungsberichten zu verbinden und dadurch den Lernerfolg zu gewährleisten. Als zertifizierte Nachhaltigkeitsmanagerin (TÜV) liegt es ihr sehr am Herzen, die Zukunftsfähigkeit für Neuentwicklungen oder Verbesserungen von Produkten und/oder Prozessen als Selbstverständlichkeit zu berücksichtigen und somit nachhaltige Lösungen zu gewährleisten.
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