Was ist DPMO (Defects Per Million Opportunities)?

Glossarfolie zu DPMO (Defects per Million Opportunities) mit Definition und Formel zur Berechnung.
In Lean‑ und Six‑Sigma‑Projekten geht es darum, Prozesse so zu gestalten, dass sie fehlerarm und stabil sind. Eine der zentralen Kennzahlen dafür ist die Defects Per Million Opportunities (DPMO). Sie misst, wie viele Defekte in einem Prozess pro eine Million möglicher Fehlergelegenheiten auftreten. Damit ermöglicht DPMO einen objektiven Vergleich unterschiedlicher Prozesse, unabhängig von deren Umfang oder Komplexität. DPMO ist skalierbar – sie funktioniert sowohl bei kleinen Losgrößen als auch bei Massenfertigungen.  

Komponenten und Formel

Um DPMO zu berechnen, muss man drei Größen kennen: 
  1. Anzahl der Defekte (Defects): die Summe aller erkannten Fehler im betrachteten Zeitraum.
  2. Anzahl der Einheiten (Units): die Menge der hergestellten Produkte oder erbrachten Dienstleistungen.
  3. Anzahl der Fehlergelegenheiten pro Einheit (Opportunities): alle Merkmale oder Prozessschritte, an denen ein Fehler auftreten kann.
 Die grundlegende Formel lautet: 
Formel zur Berechnung von DPMO aus Fehleranzahl, Einheiten und Fehlerchancen pro Einheit.
DPMO skaliert die Fehlerzahl auf eine Million Möglichkeiten und ist damit leichter zu interpretieren als die reine Defektrate. Diese Formel wird in vielen Leitfäden des Qualitätsmanagements verwendet.  

Schritt‑für‑Schritt‑Berechnung

 
1. Defekte definieren und zählen
Zunächst ist festzulegen, was als Defekt gilt. Ein Defekt ist jede Abweichung von Kundenanforderungen oder Spezifikationen. In einem Stichprobenumfang werden alle Defekte gezählt. Wichtig: Ein Produkt kann mehrere Defekte aufweisen; daher unterscheidet DPMO zwischen defekten Einheiten und Defekten. 
2. Fehlergelegenheiten je Einheit bestimmen
Als nächstes wird bestimmt, wie viele potenzielle Fehlergelegenheiten pro Einheit existieren. Dies sind alle Merkmale, Komponenten oder Prozessschritte, an denen ein Fehler auftreten könnte. Die Definition sollte kundenorientiert sein, damit nur relevante Merkmale berücksichtigt werden. 
3. DPMO berechnen
Sind die Anzahl der Defekte, die Anzahl der Einheiten und die Fehlergelegenheiten pro Einheit bekannt, wird mit der oben dargestellten Formel die DPMO ermittelt. Ein Beispiel: Werden 500 Einheiten geprüft, die jeweils 8 Fehlergelegenheiten haben, und es werden 12 Defekte gefunden, ergibt sich eine DPMO von 3 000. Ein weiteres Beispiel: In einer Produktionslinie für Kugelschreiber gibt es vier mögliche Fehlergelegenheiten (z. B. Gehäuse, Mine, Kappe und Clip). Bei einer Stichprobe von 10 000 Stiften werden 120 Defekte festgestellt. Die Berechnung lautet:
Beispielrechnung zur DPMO-Berechnung mit Ergebnis 3.000 Fehler pro eine Million Chancen:
Das Ergebnis besagt, dass auf eine Million Fehlergelegenheiten hochgerechnet 3 000 Defekte auftreten. 

Umrechnung in Sigma‑Level

Viele Organisationen möchten ihre Prozessleistung als Sigma‑Level ausdrücken. Mithilfe einer Konversionstabelle lässt sich eine DPMO‑Zahl in einen Sigma‑Wert übersetzen. Ein Six‑Sigma‑Prozess weist beispielsweise nur etwa 3,4 Defekte pro eine Million Möglichkeiten auf. Weitere Referenzpunkte sind:
Tabelle mit Sigma-Leveln (1–5 σ) und zugehörigen DPMO-Werten (ca.)
Six‑Sigma berücksichtigt außerdem eine 1,5‑Sigma‑Verschiebung für langfristige Prozessdrift. Das bedeutet, dass man für langfristige Leistung etwa 1,5 Standardabweichungen Abweichung vom Kurzzeitwert einplant.  

Beispiele aus der Praxis

Beispiele veranschaulichen, wie DPMO für unterschiedliche Prozesse angewendet wird: 
  • Smartphone‑Produktion: 200 Defekte bei 1 000 produzierten Geräten, jedes mit 5 möglichen Fehlergelegenheiten:
Beispielrechnung zur DPMO-Berechnung mit Ergebnis 40.000 Fehler pro eine Million Chancen.
  • Buchverlag: 50 Defekte in 500 gedruckten Büchern mit 3 potenziellen Fehlergelegenheiten (z. B. Druck, Bindung, Cover) → DPMO = 33 333.
  • Bäckerei: 10 Defekte in 2 000 Broten mit 2 möglichen Fehlergelegenheiten (z. B. Backzeit, Zutatenmenge) → DPMO = 2 500.
 Diese Beispiele zeigen, dass DPMO sowohl in der industriellen Fertigung als auch im Dienstleistungsbereich eingesetzt werden kann, um die Qualität zu messen und zu vergleichen.   

Bedeutung und Nutzen von DPMO

DPMO ist mehr als eine Zahl: Es ist ein gemeinsames Qualitätsmaß, das Teams hilft, Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen und die Sprache der Prozessleistung zu vereinheitlichen. DPMO bildet die Grundlage zur Bestimmung des Sigma‑Levels und ermöglicht eine skalierbare Bewertung verschiedener Prozesse. Die Kennzahl hilft Organisationen, Effizienz zu steigern, Kundenzufriedenheit zu verbessern und sich mit Benchmark‑Werten zu vergleichen. Sie erleichtert die Kommunikation in Projekten und hilft, realistische Qualitätsziele zu setzen und Fortschritte zu verfolgen. Im Gegensatz zu Kennzahlen wie First-Pass-Yield oder Overall Equipment Effectiveness fokussiert DPMO ausschließlich auf Defekte und deren Häufigkeit und eignet sich besonders für komplexe Prozesse mit vielen Qualitätsmerkmalen.   

Häufige Fehler und bewährte Praktiken

Bei der Berechnung von DPMO können Fehler passieren:
  • Unklare Defektdefinitionen: Unklare Spezifikationen führen zu unterschiedlichen Interpretationen. Ein konsensbasierter Defektkatalog verbessert die Datenqualität.
  • Falsche Zählung von Möglichkeiten: Über- oder Unterzählen der Fehlergelegenheiten verfälscht die DPMO. Nur relevante Merkmale sollten berücksichtigt werden.
  • Kleine Stichproben: Zu kleine Stichproben liefern keine verlässlichen Aussagen. Die Datenerhebung sollte genügend Beobachtungen umfassen.
 Best Practices umfassen die Integration von DPMO‑Berechnungen in das DMAIC‑Framework und den Einsatz statistischer Tools wie Pareto‑Diagrammen oder Regelkarten, um Ursachen zu analysieren und Verbesserungen abzuleiten.   

DPMO versus Defective Parts per Million (PPM)

Während DPMO jeden Defekt zählt, unabhängig davon, wie viele Defekte sich in einer Einheit befinden, misst die Kennzahl defective parts per million (PPM) nur die Anzahl der fehlerhaften Einheiten. Eine Einheit mit mehreren Defekten zählt bei PPM nur einmal, bei DPMO jedoch mehrfach. Dadurch liefert DPMO ein detaillierteres Bild von der tatsächlichen Fehlerhäufigkeit und ist besser geeignet, Prozesse mit mehreren potenziellen Fehlergelegenheiten zu beurteilen.   

Fazit

DPMO ist ein mächtiges Werkzeug zur Quantifizierung von Prozessqualität. Es hilft dabei, Defekte systematisch zu erfassen, Verbesserungen zu identifizieren und die Leistung objektiv zu vergleichen. Durch die standardisierte Berechnung und die Möglichkeit der Umrechnung in Sigma‑Level dient DPMO als Brücke zwischen Datenanalyse und kontinuierlicher Verbesserung. Organisationen, die DPMO konsequent anwenden, können ihre Qualität steigern, Kosten senken und die Zufriedenheit ihrer Kunden erhöhen.

 

Autorin & Expertise

Cindy Heinzemann | Q-LEARNING
Cindy Heinzemann
Training, Coaching, KursentwicklungDank ihrer langjährigen und umfassenden Erfahrung in der Leitung von LEAN- und SIX SIGMA-Projekten sowie im Coaching begleitet Cindy Heinzemann unsere Teilnehmenden zielgerichtet durch die Kurse. Mit ihrem fundierten Fachwissen und ihrer positiven Art versteht sie es, theoretische Inhalte mit praxisnahen Erfahrungsberichten zu verbinden und dadurch den Lernerfolg zu gewährleisten. Als zertifizierte Nachhaltigkeitsmanagerin (TÜV) liegt es ihr sehr am Herzen, die Zukunftsfähigkeit für Neuentwicklungen oder Verbesserungen von Produkten und/oder Prozessen als Selbstverständlichkeit zu berücksichtigen und somit nachhaltige Lösungen zu gewährleisten.

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